A slice of heaven

Es gibt wenige Statements, die man wirklich ohne Zweifel stehen lassen kann. Zwei plus zwei ist gleich vier. Die Hauptstadt von Frankreich ist Paris. Und New York hat die beste Pizza der Welt.

By: apasciuto CC-BY 2.0

Ich bin kein Küchenautor, also schaltet einfach das Kopfkino an.

1977. Ein junger Mann stolziert die 20th Avenue in Brooklyn entlang, auf dem Weg zur Arbeit. Das Wetter ist toll, die Frauen auch, er sieht gut aus und er weiß es. Die Stadt vibriert im Rhythmus der Musik, seiner Musik: Disco. Nur etwas fehlt ihm zum Glück. Er tritt ein Fenster. „Hi Tony. Zwei oder drei Stücke?“ Tony belässt es bei zwei, denn für zu viel Glück verlangen die Götter von Brooklyn Karma-Steuern.

2010. Ein deutlich älterer Mann kommt die Treppe aus der U-Bahn-Station am Washington Square hoch. Er joggt leicht, denn um eine Wohnung in Manhattan zu finanzieren, muss man sich immer ein wenig hetzen lassen – vor allem als geschiedener Vater zweier Töchter. Er ist unterwegs zum Comedy Cellar, wo er eine Horde Fremder zum Lachen bringen soll. Er kann das, denn er ist gut. Doch vorher braucht er noch etwas. Im Pizzaladen um die Ecke schiebt er sich ein Stück Pizza rein. Eilig, fettig, schnell. Doch es ist himmlisch. Den Rand wirft er weg. Denn er ist ein Bastard. Und er weiß es. Und er wird den Keller zum Kochen bringen.


Louie – Opening von Fanagt

Die Pizza ist die Quintessenz von New York. Okay: Sie ist eine von vielen Quintessenzen. Warum sie so gut zum Big Apple passt? Man kann sie im Stehen, im Gehen essen. Sie passt sich Deinem Rhythmus, dem Rhythmus der Stadt an. Und sie schmeichelt dem New Yorker: In einem Jahrhundert hat sich das Pizzabäckertum in New York so perfektioniert, dass es sich mit niemandem mehr messen muss. Der unscheinbare Laden an der Ecke verkauft Dir eine Pizza, die Deine Zehennägel aufrollt, auch wenn Du ein 120jähriger Sizilianer bist. Vielleicht auch wegen des Preises. Denn ein Slice kostet gern mal sechs Dollar.

Du bist so lange Tourist in New York oder Zugezogener, bis Du sagen kannst: Hier gibt es die beste Pizza der Welt. Wichtig: Es ist nicht für jeden der gleiche Laden. Aber irgendwann findest Du ihn – Du hattest grade Hunger, wolltest schnell zum Konzert, brauchtest eine Grundlage für den Junggesellenabschied. Der erste Bissen ist noch unverdächtig, aber dann siehst Du Dich um. Der Käse, der Organo, die Tomatensauce. All das formt sich zu einem Gesamtbild. Und er spiegelt seine ganze Umgebung wieder: Die Menschen, die Straßen, die hood. Dein Kiez, Deine Pizza. Dein New York.

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