Amy Schumer – Working girl

Ihr seid vielleicht schon über ihren Namen gestolpert. Oder ihr werdet es sehr tun. Amy Schumer. Ihr Film „Trainwreck“ ist grad weltweit in den Kinos, sie eröffnet für Madonna und sie ist einer der letzten drei Gäste von Jon Stewart. Aber wer ist Amy Schumer eigentlich?

Nun, Amy Schumer ist ein Comedian. Weiblich. Blond. In den Feuilletons läuft die große Debatte: Ist Amy Schumer eine Feministin? Oder verfestigt sie im Gegenteil antifeministische Klischees? Ist sie das Dummchen, das sie spielt? Schlampe oder Familienprogramm? Meine einfache Antwort ist: Sie ist New Yorkerin. Und damit ist es eigentlich alles gesagt.

Ich bin vor ein paar Jahren zum ersten Mal auf Schumer gestoßen und es war beileibe keine Liebe auf den ersten Blick. Ich glaube, es war ihr Auftritt beim Roast von Charlie Sheen. Ein Roast ist, wenn zweit- bis viertklassige Komiker zusammengerufen werden, um sich gegenseitig besoffen und möglichst unflätig zu beleidigen. Danach sah ich ein paar Szenen aus ihrem Standup Act und war nicht beeindruckt. I know, this dress makes me pregnant. But — you know — dress for the job that you want. Clever? Ja, aber… war es das schon?

Was ich erst spät kapierte: Amy hat New York verinnerlicht. So viele sind in der Stadt ertrunken. Amy hingegen wurde in Manhattan geboren. Zog weg. Studierte in Baltimore. Und kehrte zurück. Nicht triumphal – sicher nicht. Sie musste ein paar Jahre Wasser treten. Ihre Stimme finden. Alkoholisierte Club-Besucher zum Lachen bringen oder niederringen. Sie gewann eine Casting-Show und wurde zu Gigs eingeladen. Erst klein, dann größer. Sie lernte auf die harte Tour, wie es ist auf offener Bühne ausgebuht zu werden. Sie widerstand der Versuchung, nach Los Angeles zu ziehen und dort eine Rolle als Sitcom-Mutter anzunehmen. Und *biggleappledibing* – flugs hatte sie ihr eigenes Comedy-Central-Special. Und dann ihre eigenen Sketch-Show. Es dauerte nur neun Jahre. Beziehungsweise zwölf. Denn Inside Amy Schumer wurde drei Jahre ignoriert. Zu unrecht.

Amy ist ein Arbeitstier. Und sie weiß, wovon sie spricht. Sie weiß, wie es ist ständig beurteilt zu werden, an jeder Straßenecke in eine neue Rolle zu schlüpfen. Sie weiß, wie es ist den, Alkoholkonsum in Kalorien umzurechnen, und das Abendessen flüssig einzunehmen, weil ja alle anderen Comedians trinken, aber sich niemand drum schert, dass Louis CK nicht schlank ist. Sie kennt den Geruch der Verzweiflung. Den Zwang 2000 Dollar für die Miete zu beschaffen. Für ein shitty apartment. Sie weiß, wie es ist sich in einen Blackout zu trinken. Sie kennt Selbstzerstörung. Sie kennt ihre Freundinnen, sie kennt Comedians. Und sie erzählt davon.

Sie musste mit Sarah Silverman konkurrieren, die seit 23 Jahren die 23jährige spielt. Auch Amy spielte die 23jährige, die sich für den Mittelpunkt der Welt hält. Und um ein Dummchen zu spielen, muss man auch rassistische Witze erzählen. Und sie weiß, dass fart und poop jokes lustig sind. Mit den Jahren kam endlich der Respekt. Ihre derzeitigen Karriereberater: Louis CK und Chris Rock. Und das ist besser als Physikunterricht von Albert Einstein. Amy hat gelernt, wie man ihren Allerweltsnamen, ihr Allerweltsgesicht zur Marke macht.

Alles in allem: Wenn ihr Amy noch nicht kennt, werdet ihr sie noch kennenlernen. Und wer genau zuhört, erfährt so einiges.

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