Life of Aziz

Seien wir ehrlich: Die aktuelle Staffel von Inside Amy Schumer war ziemlich schlecht und Broad City hatte in seiner letzten Inkarnation auch kaum große Momente, dafür Tiefpunkte. Louie ist nun Horace. Aber glücklicherweise gibt es neues Futter: Aziz Ansari hat mit Master Of None eine neue Saite entdeckt, auf der er das Lied vom Leben in New York spielen kann. Eigentlich ist die Serie schon ziemlich lange auf Netflix, aber ich bin nun erst dazu gekommen, sie anzusehen.

Aziz spielt Dev, einen indienstämmigen Schauspieler in New York, der bemerkenswert gut davon lebt drittklassige Werbespots zu drehen und in der übrigen Zeit mit seinen Freunden rumhängt. Das Setting ist vertraut: junge, attraktive Erwachsene wollen das Erwachsensein noch etwas aufschieben und einer ist der unvermeidliche Kramer/Phoebe/Barney-Charakter, der soziale Normen durchbricht und unseren Blick somit darauf lenkt, wie verrückt unsere Normen doch sind.

masternone

Große Storybögen gibt es nicht, auch keine verborgenen Ebenen. Master Of None arbeitet die Themen fein säuberlich, nach und nach ab: Freunde werden Eltern — eine Folge. Die eigenen Eltern sind samt ihrem Kulturkreis erstaunlich fremd — eine andere Folge. Die Großeltern wollen auch noch etwas vom Leben haben — eine dritte Folge. Eigentlich alles Themen, die schon bis zum Erbrechen abgearbeitet sind. Eine Folge Rassismus, eine Folge Sexismus. Und dennoch.

Mir gefällt, wie leicht und beschwingt die Serie daherkommt, wie selbstverständlich Selbstverständliches abgearbeitet wird. Aziz lebt, liebt und isst in Brooklyn, ohne dass das Wort auch nur einmal erwähnt wird. Smartphones dirigieren das Leben, ohne dass es gleich um Tinder gehen muss. Die Eröffnungsszene hatte mich gleich fasziniert: Dev hat einen One-Night-Stand und das Kondom reisst. Kurzerhand schlagen beide auf ihren Smartphones nach, was denn zu tun ist. Und Dev ruft den Uber, um zur Apotheke zu fahren. Nice.

Besonders fasziniert hat mich auch die Chemie zwischen Dev und seiner neuen Freundin Rachel. In einer einzigen Folge wird die Beziehung im Fast-Forward-Modus abgehandelt — und dennoch hat das Ganze so viel Charme wie zwei Staffeln Mad About You. Und ich mochte Helen Hunt und Paul Reiser bedeutend besser als Ross und Rachel. A lot.

Und natürlich mag ich es auch, dass nun die Geschehnisse aus der Perspektive eines guys erzählt wird. Und zwar einer, der nur den Klischees entspricht, denen er entsprechen will. Dev ist kein Tim Taylor, der Abend für Abend zum Nachbarn dackeln muss, um seine Frau zu verstehen. Er ist auch kein Don Draper, der in der Tiefe seines Charakters und einem Whiskeyglas zu ertrinken droht. Er ist intelligent, er ist nur ein wenig dorky, er ist warm und keine Witzfigur. Und er macht auch die anderen Charakere nicht zur Witzfigur. Selbst sein Kramer/Phoebe/Barney/Bevers/Samantha/Jack namens Arnold darf ein Mensch sein.

Reise-Notizbuch: Bamonte’s klingt nach einem netten Lokal.

Add a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.