Louis C.K. – Everything is Amazing and Nobody’s Happy

Louis C.K. hat viele Titel. Er ist the comic’s comic, er ist the filthy moralist und er steht auf Platz 1 der 50 Funniest People Now von RollingStone.com. Über einem YouTube-Video eines seiner Auftritte steht gar „he may have the best brain in human history“. Was schwer nachzuvollziehen ist, da er in dem Video von Durchfall und der analen Aufnahme von Opiaten redet und sich furchtbar leid tut, wie schwer es doch ist Vater zu sein.

Um die Bedeutung von Louis C.K. zu verdeutlichen, greife ich besser zu einem Vergleich: Louis C.K. ist die Lena Dunham der 40jährigen geschiedenen Männer. Seine Serie „Louie“ verleiht einem Lebensgefühl Ausdruck, das nur New York so intensiv bieten kann. Sein Motto: Everything is Amazing and Nobody’s Happy.

Das Format erinnert ein wenig an Seinfeld: Ein Standup-Comedian redet auf der Bühne über Dinge und die Kamera folgt ihm dann durch sein fiktionalisiertes Privatleben in dieser vibrierenden Stadt. Das war es aber auch schon mit den Parallelen. Er hat keinen überdrehten Nachbarn, keine A-, B- und C-Stories, dafür eine geschiedene Frau und New Yorker Alltag.

Während Seinfeld eine gut geschmierte NBC-Sitcom produzierte, hat Louis C.K. die Antithese geschaffen: Eine gnadenlos unterfinanzierte Kabel-Show, in die sich kein network executive einmischen darf, weil sie eben aus der Portokasse finanziert wird. Und wenn er ein paar Hundert Dollar Budget übrig hat, mietet er sich eben einen Hubschrauber und klaut einem Kind sein Eis. Sein Freund Jerry Seinfeld würde so etwas niemals tun.

Neben solchen Albernheiten kann es sich Louis auch leisten, ganze Folgen ohne einen einzigen Witz zu produzieren, in der er seine eigene Ängste und Traumata thematisiert. Zum Beispiel die Szene, in der er seine Tochter in der New Yorker U-Bahn verliert und panisch den Weg zu ihr zurückfindet. Oder die Doppelfolge über seine Kindheit, in der seinen Chemielehrer bestiehlt, um Marihuana zu kaufen.

Und dann gibt es wieder so wunderbare Szenen, wie die, in der seine Nachbarin Schrägstrich Freundin im Treppenhaus spontan ein Violinenkonzert mit seiner Tochter gibt.

Louis ist ein New Yorker und er zeigt es: Er ist gebrochen, alleine, von Menschen umgeben, erfolgreich. Er ist absolut selbstbezogen und ein guter Vater. Alles zusammen. Everything is Amazing and Nobody’s Happy? Doch – manchmal ist er durchaus glücklich. Es ist nur ein Riesenhaufen Arbeit.

Manchmal sieht man Louis unverhofft auf den Straßen von New York. Er schneit immer wieder in den Comedy Cellar rein, um neues Material zu testen, er bringt seine Kinder zur Schule und er ist mal eben in der Pizzeria nebenan und holt sich ein slice. Doch keine Illusionen: Er macht keine Fotos mit Fans, er kümmert sich nicht drum, was jemand von ihm denkt. Und wer in seine Nummer quatscht, wird die Wut eines New Yorker standup comedians spüren.

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