NYGIDA

New York ist der perfekte melting pot. Menschen aller Herren Länder und jeder Hautfarbe haben in New York ihr neues Zuhause gefunden. Der Big Apple ist die Antithese zu Rassismus und heißt jeden willkommen.

Bullshit. Oder: Leider nein.

Wusstet Ihr, dass der caucasian white in New York City nur 44 Prozent Bevölkerung stellt? Vom Blick auf den Bildschirm sicher nicht. Es gibt zwar selbst in Serien wie Blue Bloods Latinos und Schwarze in Uniform. Aber sie sind doch Randfiguren und Ausnahmen. Wer nicht weiß ist, muss sich aus seiner zerstörten Herkunft emporarbeiten. Sie mussten zu domestizierten Iren werden: Protestantischer Fleiß, katholische Familienwerte, Feierabendbier und zerstörte Ehen.

Miss Liberty. By: Gerben JacobsCC BY 2.0

Miss Liberty und die Libertären

New York ist das Monument der Libertären. Und Libertäre sind so lange tolerant, so lange es gut läuft, wie sie gut an den Freiheiten verdienen. Sehen Sie ihre Felle wegschwimmen, verwandeln sich viele in Schuldzuweisungsmaschinen. Doch es ist New York. Meist läuft es gut.

Nicht ganz so gut lief es zum Beispiel Mitte des 19. Jahrhunderts als die Stadt überrollt wurde von irischen Flüchtlingen. Die fanden in ihrem von Politik und Kartoffelfäule ruinierten Land kein Auskommen mehr und kamen über den Atlantik. New York ließ sie herein, schleuste sie durch und richtete neue Stadtteile ein, in denen die Armut geradezu industrialisiert wurde. Zehn Leute in einer Mini-Wohnung, die tagsüber als Näherei diente. Ein Klischee-Bangladesh auf Manhattan.

Die Begleitumstände sorgten bei den natives für Entsetzen. Die wie Tiere zusammengepferchten Iren verhielten sich nicht durchweg wie fromme, wohlhabende Protestanten. Alkoholismus, Schlägereien, Seuchen. Und sie machten die Preise für die Arbeiter kaputt.

Gegen die Papisierung New Yorks!

Doch selbst damals waren plumpe ausländerfeindliche Thesen zumindest so verpönt, dass man sie nicht unbedingt in Print herausbrachte. Das Kampfwort war deshalb nicht „Iren raus“. Sondern man wandte sich gegen ihre Religion. Denn der Papst, der war der Antichrist, wussten die abgefeimten Iren-Feinde. Ihr Zentralorgan war der American Protestant in Defence of Civil & Religious Liberty Against Inroads of Papacy.

American Protestant in Defence of Civil & Religious Liberty Against Inroads of Papacy. February 21, 1844. Page: 138
American Protestant in Defence of Civil & Religious Liberty Against Inroads of Papacy. February
21, 1844. Page: 138

Die Thesen der Publikation waren immer wieder die gleichen: Katholiken sind moralisch verdorben. 100 Jahre alte Episoden von Vergewaltigungen wurden angeführt, um Nonnenklöster als Bordelle der Iren-Priester zu denunzieren. Und der Papst im fernen Rom bereite den Krieg vor. Gegen die echten Christen.

Die Unterwanderung war erfolgreich

Die positive Seite der Libertären: Man kann sie beeindrucken und sie haben Respekt vor Leuten, die sich selbst hocharbeiten. Was die Iren taten. Zwar spielte auch das organisierte Verbrechen der New Yorker Politik eine große Rolle, aber nach ein paar Generationen waren die Iren eine feste Größe in New York. Erst stellten sie die Arbeiterklasse und dann bestimmten sie auch mit. Die Unterwanderung war erfolgreich. Und das Ergebnis war: New York.

St. Patrick’s Cathedral. By: r351574nc3CC BY 2.0

Die Metropole hat zahlreiche besonders rassistische Episoden mitgemacht. Die drafting riots zum Beispiel, als der Mob regelrecht Jagd auf Schwarze machte und nicht mal Waisenkinder verschonte. Das Einreiseverbot für Chinesen. Und, und, und. Toleranz wurde Gotham nicht in die Wiege gelegt. Aber die Stadt hat gelernt, dass Rassismus nicht nur dem Geschäft schadet, sondern verachtenwert ist. Insofern ist der Big Apple tatsächlich eine Antithese zu Rassismus. Weil man ihn hier so oft besiegen musste. Oder zumindest niederringen.

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