Operation Hillarious Hillary

Hillary Clinton hat eine ganz besondere Beziehung zu New York. Sie lebt nicht nur hier, sie hat den Bundesstaat auch im Senat vertreten. Und da New York schließlich auch Hauptstadt der Standup-Comedy ist, muss Hillary Clinton auch irgendwie Comedian in Chief sein. Ihr Co-Präsidentschaftskandidat Barack Obama von 2008 ist es jedenfalls.

Nundenn. New Yorker Comedians lieben Hillary. Auch wenn sie Hillary nich als Person lieben, so lieben sie die Idee der ersten Frau als POTUS. Und so gibt es eine gemeinsame Anstrengung der New Yorker Comedy-Szene, Secretary Clinton ein lockereres Image zu verpassen. Von der fähigen, engagierten Vollblut-Politikerin, mit der niemand ein Bier trinken will, soll sie zur fähigen, engagierten Vollblut-Politikerin werden, die man zumindest erträgt, wenn man mit anderen ein Bier trinkt. Man muss schließlich realistisch bleiben.

Ellen löste das Problem so: Sie kam mit ihrer Show nach New York und ließ dann Amy Schumer über die Bühne skaten. Ein Endorsement? Sicher. Aber das verdarb Hillary wieder, als sie danach dance moves demonstrierte.

Auch Saturday Night Live versuchte Clinton nach der desaströsen Donald-Trump-Folge mit einem Hillary-Sketch Buße zu tun. Es lief eigentlich optimal, Clinton wirkte souverän und nur zu 150 Prozent unentspannt. Dennoch: Die größte Pointe blieb, dass Kate McKinnon’s zweite große Rolle die Personifizierung von Justin Bieber ist.

Immerhin ist sie kein Donald Trump. Aber auch kein Bernie Sanders. Der kommt zwar auch nicht wirklich entspannt rüber, wird aber dafür von Larry David fast verehrt. Sofern Larry David zu einer solchen Regung tatsächlich fähig ist.

https://www.youtube.com/watch?v=g7kI9xhCIME

SNL war also ein Schuss ins Kontor. Wenn zudem noch Sarah Silverman unentwegt the Bern fühlt, droht die Schlacht verloren zu gehen. Da bleiben nur die ganz großen Geschütze. Die Hillary campaign sprach also mit den ungekrönten Königinnen der Unter-40-Comedy: Abby und Ilana. Und die bauten extra eine Folge um Hillary, zu der sie nicht nur Alan Alda, sondern auch Miranda Hobbes Cynthia Nixon aus der stil-und-gender-prägenden Comedy Sex and the City rekrutierten. Ganze 30 Sekunden Clinton-Cameo machten die Folge jedoch zu einem Debakel.

Sehen wir der Wahrheit ins Auge. Clinton und Comedy, das ist wie die Romanze zwischen Travis Bickle und Betsy. Als er in ihr Wahlkampfbüro marschiert und gleich den Ton angibt, da fasziniert er sie. Als sie sich jedoch im Porno-Kino wiederfindet und das Ganze kein ironischer Spaß ist, merkt sie: Das kann nicht gut gehen. Die beiden passen niemals zueinander.

Und doch: Bei Jimmy Kimmel kam Hillary fast so locker rüber wie Jennifer Aniston in der alten Friends-Kulisse. Das Timing stimmte, das Augenrollen – man sah fast nicht, dass der komplette Dialog auf Telepromptern stand.

Aber was hilft’s? Kimmel ist Vertreter der Westküsten-Comedy. Der Gangster-Rap mag da authentisch sein, die Comedy ist jedoch nur der kleinste gemeinsame Nenner. Statt Comedian in Chief bleibt Clinton vielleicht der Titel: undersecretary for Whimsy and Caprice.

Add a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.