Roomies

Joey und Chandler. Will und Grace. Ernie und Bert. New York ist voll von Roomies.

Oberflächlich sind Roomies eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Wer von Ohio, Nebraska oder Pennsylvania nach New York kommt — vorzugsweise direkt nach dem College — kann sich meist noch keine eigene Wohnung leisten. Der Wohnraum auf der Insel Manhattan ist beschränkt und ein guter Teil der Gebäude stammen aus einer Zeit, als solche Kinder keine eigenen Wohnungen hatten.

Ihr mögt glauben, dass die Stadt heute voll ist, doch sie erholt sich gerade Mal von der Stadtflucht der Siebziger. Wer in Altbauten wohnt, lebt wahrscheinlich in Räumen, die für sechsköpfige Familien gebaut wurden. Der zahlende Mitbewohner ist als städtebauliche Notwendigkeit anerkannt. Vermietern ist es sogar gesetzlich verboten ist, Roomies zu verbieten. Und das in New York, dem Palast des Kapitalismus, dem Wohnort von Donald Trump.

Doch Roomies sind mehr als das. Sie sind ein Lebensstil. Sie sind eine Kultur. Der Roomie ist New Yorks Willkommenspaket an die Zugezogenen. Denn egal wie sehr Du Dich informiert hast, New York wird dich überwältigen. Sehr bald wirst Du merken, Du wirst niemals king of the hill sein, oder gar top of the heap. Die Versuchung ist also groß, sich in der Wohnung zu verkriechen.

Doch Dein Roomie wird Dich ermutigen, trotzdem rauszugehen und die Stadt zu erkunden — höchstwahrscheinlich, weil er oder sie ungestörten Sex haben will. (Nicht unbedingt zu zweit.) Er wird Dir sagen, dass Du zur Arbeit gehen musst, auch wenn Dir scheinbar nichts gelingt. Weil er an Dich glaubt. Und weil irgendjemand die Miete zahlen muss.

Roomies sind keine Wohngemeinschaft. Die Machtverteilung ist eindeutig: Einer ist der Mieter, der andere ist nur der Mitbewohner. Einer kennt sich aus, der andere ist ein sucker. Selbst wenn ein Roomie nur zwei Wochen länger in New York wohnt, kann er dem anderen einiges erzählen. Welche Droge in ist und welcher Club out. Wo es die beste Pizza gibt. Wie man illegal aufs Dach gelangt. Wo man die besten gefälschten Handtaschen kaufen kann. Seine Lebensgeschichte wird exotische Details haben, wie die tragische Geschichte, als ihm seine Brieftasche von Louis CK geklaut wurde. Oder Robert De Niro.

https://www.youtube.com/watch?v=Ul2TeMUk4UY

Das Roomie-Apartment hat natürlich gewisse Einschränkungen. Der communal space ist auf das notwendigste beschränkt. Die Couch, die Küche, der Fernseher. Doch wer kocht und sieht schon Broadcast in dieser vibrierend-vibrant city? Und wenn Dein Roomie nicht Dein bester Freund wird, dann verbringst Du Deine Zeit in Deinem Schlafzimmer. Wo es im wesentlichen keine Sitzgelegenheit gibt als Dein Bett. Denn die Stühle und die Couch sind im Einzugsbereich von Quinn, Rowan oder Sage. Fuck them.

Aprospos. New York ist kein Kloster. Also ist es nicht ungewöhnlich, dass Roomies unterschiedliche Geschlechter haben – oder ein queer-gleiches. Mit seinem Roomie Sex zu haben, ist freilich nicht verboten. So wenig wie es verboten ist im Lotto zu gewinnen.

Im Ernst: Wenn Du mit einem Menschen auf engsten Raum lebst, dessen Toilettengewohnheiten und mangelhaften Reinigungskünste du als erstes kennenlernt, bleibt für anfängliche Romantik kein Raum. There’s no love here, dude. Immerhin bleibt Euch der verzweifelte, betrunkene Sex in einer Nacht, wenn Euch beiden das Leben, wo Euch die Stadt über den Kopf gestiegen ist und ihr sonst zu ertrinken droht.

Und dann muss einer von Euch ausziehen.

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