Snow party

Wer in New York lebt, kennt seine Nachbarn nicht wirklich. Es stimmt zwar: Man sieht sich am Briefkasten, am Müllschlucker und man hört zuweilen durch dünne Wände Streit, Sex oder beides gleichzeitig. Aber lernt man dadurch jemanden wirklich kennen? Ich sagte es ja schon im ersten Satz: Nicht wirklich.

Eine der wenigen Gelegenheiten seine Nachbarn wirklich kennen zu lernen ist eine Notlage. Besser noch: Eine Notlage, die alle betrifft. Noch besser: Eine Notlage, die nicht passiert, wenn alle außer Haus sind oder schlafen. Wie zum Beispiel ein Hurricane oder ein Schneesturm.

Threefeetcalypse

In diesen Stunden geht der vermeintlich größte Schneesturm der Geschichte über New York City nieder. Ein Meter Schnee im Central Park – in Kanada mag das kaum der Rede wert sein. Zwischen Highrise und Brownstone in New York ist es jedoch unfuckingbelievable. Die Schneepflüge verwandeln Straßenschluchten in Bobbahnen, die von Fußgängern nur noch mit alpiner Ausrüstung oder einer noch gesteigerten Kaltschnäutzigkeit gemeistert werden können. High Heels werden zu Spikes und eingeschneite Autos zum erhöhten Gehweg.

Also bleibt man lieber zu Hause und hält dort Wache über den Fernseher. Der Chef hat kein Verständnis? Soll ihn doch der Teufel holen. Schneefrei ist heilig. Als ob er ins Büro käme, wenn die Subway nicht fährt und der private Autoverkehr lahmgelegt wird. Und selbst wenn er im Büro ist — keiner der Kollegen wird kommen.

Emergency Pack

Zum Glück hat sich der New Yorker schon im allgemeinen Hamsterkauf mit dem Notwendisten versorgt: Drei Gallonen reinstes Leitungswasser pro Kopf, Müsliriegel, Batterien.

Doch kaum einer denkt an die essentiellen Bestandteile für einen freien Tag: Wo ist der Tequila, die Chips, der mobile Hotspot um weiter im Internet die besten Schnee-Tweets abzurufen, wenn Strom und Landline ausgefallen sind? Hier kommt die Nachbarschaft ins Spiel. Natürlich weiß man ungefähr, hinter welcher Tür eine kolumbiuanische Großfamilie und hinter welcher Tür Chris Crocker wohnt. Je nach Vorlieben klopft man an und tauscht Shots und Partyfutter aus.

Auf, New York, es schneit. Die Party kann beginnen.

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