The Elephant in the room

Ich habe Saturday Night Life nie völlig verstanden. Zum einen verkörpert die Show das Entertainment von NYC wie keine zweite. Viele meiner Lieblings-Komiker haben hier ihre Karriere so richtig begonnen: Bill Murray, Steve Martin, Tina Fey. Und einige, die ich so gar nicht leiden kann: Chevy Chase, Chris Elliot und Alec Baldwin. Aber die Show ist 40 Jahre lang in New York und eine Institution.

Der Aufwand ist wirklich enorm. Show-Macher Lorne Michaels lässt in den Comedy-Clubs des Landes die größten Talente suchen, stopft sie in das überfüllte Bürogebäude in 30 rock und lässt sie gegeneinander antreten. Viele bekommen über Monate keine Chance, ihre Arbeit auf den Bildschirm zu bringen und werden bald durch den nächsten hellen Geist ersetzt. Und dennoch kommen pro Sendestunde gerade Mal ein bis drei wirklich gute Witze heraus.

Die meisten Sketche handeln davon, dass sich erwachsene Menschen alberne Perücken aufsetzen und so tun, als seien sie 13 Jahre alt. Und dennoch tobt das Publikum und zahlreiche Journalisten müssen bis Montag die gesellschaftliche Relevanz der Sketchshow ergründen. Damit jeder mitreden kann.

Diese Bekannt- und Wichtigkeit ist ein zweischneidiges Schwert. Sie hilft der Komik nicht unbedingt. Sicher: Man kann die besten und die peinlichsten Gestalten der Medienwelt einladen, in die Show zu kommen. Problem: Die peinlichen Hanswürste kommen. Und sie verlangen, dass die Autoren ihnen Sketche schreiben, die ihrem öffentlichen Image nutzen. Da NBC keinerlei Rückgrat hat und Pseudo-Kontroverse Einschaltquoten bringt, stapeln sich grade in der Wahlsaison die Politiker, die hier demonstrieren wollen, was die denn für good sports sind. Auch wenn sie alles andere sind.

Am Samstag hat Lorne Michaels gezeigt, dass er nicht immer alle seinen Murmeln beisammen hat. Hatte er vorher Hillary Clinton einen ungelenken Sketch präsentieren lassen, hat er Donald Trump die Show hosten lassen. Das heißt: Trump war in fast jedem Segment der Show vertreten. Obwohl er offensichtlich weder Zeit noch Lust hatte seine Nummern aufwändig zu proben und obendrein seine Frau mitbrachte, die dann auch mitspielen musste.

Es war ein Debakel der besonderen Art. Trump tat so, als sei er ironisch. Die Autoren taten so als könnten sie mit ihm lachen. Und servierten ihm die schlimmsten Sketche, die man sich bei dem Flaggschiff eines Network-Television-Konglomerats leisten kann. Vorhersehbar, abgespackt und mit Trumps Media-Beratern hart verhandelten Pointen. Dass ihn Larry David zwischendurch einen Rassisten schimpfte , nur um dann zurückzustecken – was um Gottes Willen sollte das?

https://www.youtube.com/watch?v=FLtr5Ii_pTc

Lange Rede, kurzer Sinn: SNL ist eine Institution wie hierzulande der Tatort. Und wer die Institution gut in Erinnerung behalten will, schaltet besser nur sehr dosiert ein – oder schaut die besten Clips auf YouTube.

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