The King of Hipsters

Man kann sich eigentlich nur über sie amüsieren. Diese bärtigen, Hornbrille tragenden, hoffnungslos naiven Kinder in Körpern von 30jährigen. Diese Individualitäts-Verliebten, die doch alle die gleichen Klamotten und Tattoos wie eine Uniform tragen. Die Prediger der Diversität, die doch immer wieder nur auf sich selbst stoßen: Weiße Mittelstandskinder, die irgendwie nicht erwachsen werden wollen. Kurzum: Damn, those hipsters!!!

Dass es auch eine andere Art von Hipster gibt, zeigt Chris Gethard jede Woche. Eigentlich stimmt das nicht: Denn das Publikum und die Macher der The Chris Gethard Show können so ziemlich jedes Klischee erfüllen: Sie sind übergebildet und scheinbar unterbeschäftigt, sie haben ein enzyklopädisches Wissen zu irgendwas und wenn sie tanzen, kennen sie keine falsche Scham und leider auch keine echte.

Für sie hat Chris Gethard eine Umgebung geschaffen, in der viele Missfits eine Heimat finden konnten. Zuerst im Keller der Upright Citizens Brigade, dann im offenen Kanal von Manhattan. Dann produzierte er einen Piloten für Comedy Central. Scheiterte. Kehrte zurück zu Public Access. Und ist nun auf einem Kabelkanal, den niemand kennt. Den man nicht mal in New York sicher empfangen kann. Aber mit Will Ferrell als Produzenten.

Chris Gethard hat in den letzten Jahren mit einer Show im Offenen Kanal Manhattans eine Community geschaffen, die einmal pro Woche zusammenkommt und eine Stunde lang Spaß hat. Das schafft er einerseits über schamlose Selbstpromotion, teils über eine Authenzität, die man selten im Fernsehen sieht. Chris ist sich für wenig zu schade: Er spricht offen über Angstattacken und Depression, seine Angst in Augen anderer zu versagen. Zudem hat er eine perverse Lust daran, sich auf offener Bühne zu bestrafen. In einer Folge engagierte er einen Kickboxer ihn zu schlagen, wenn er Fragen über seine Freunde nicht beantworten konnte.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Das ist kein „Schlag den Raab“, sondern eine Therapiesitzung. Und zwar eine kollektive. Denn sein Publikum und vor allem seine Mitstreiter müssen sich ebenfalls quälen lassen. Wie zum Beispiel die Folge, in der Zach Galifianakis mit einem Flötisten vorbeikam, und einer Zwanzigjährigen die Haare schnitt. „Don’t fuck my life up!“, sagte sie. Hillarious.

Um Chris müssen wir uns keine Sorgen machen. Er spielt bei Broad City mit, seine Standup-Karriere läuft gut. Und er hat die süße Hallie Bulleit geheiratet, die jede Woche – zumindest wenn Chris eine Hose trägt – den Titelsong der Sendung singt. Und neben Versagensangst, Depressionen und Selbstzerstörung geht es doch vor allem um eins: Wir wollen Spaß haben.

Add a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.