The One with Gunther

By: William Warby CC-BY 2.0

Die Geschichte von „Friends“ ist nicht nur die Geschichte von Ross, Rachel, Monica, Chandler, Joey und Phoebe, es ist ein wenig auch die Geschichte von Gunther. Eigentlich sogar mehr als ein wenig. Denn Gunther IST Friends. Und Gunther ist New York.

Ihr wisst nicht, von wem ich rede? Nun — Gunther ist der Kellner-Schrägstrich-Manager des Central Perk. Der mit den kurzen, wasserstoffblonden Haaren. Er taucht in den ersten Folgen allenfalls im Hintergrund auf, erst in Folge 33 darf er etwas sagen. Nämlich: „Ya!“.

Ab da wird er immer wichtiger: Er ist zunächst Rachels Kellner-Kollege, kurze Zeit später der Boss von Joey, er wird zur Junggesellenparty von Ross eingeladen und er verpetzt den Seitensprung von Ross. Sonst wissen wir nicht viel von ihm. Er ist — ganz wie das demoskopisch ermittelte Publikum — völlig in Rachel verschossen, lebt mit einer Mitbewohnerin in einem winzigen Appartement und er kann Holländisch sprechen. Er ist romantisch, er ist gewitzt, er kleidet sich snappy. Aber die große Stadt hat ihn kleingemacht.

Gunther ist nicht der siebte Friend, so wenig wie er der fünfte Beatle ist. Nichts läge ihm ferner. Während die anderen immer weiter in der New Yorker Karriereleiter nach oben steigen und Professorentitel, Eckbüros und vermögende Ehepartner absahnen, bleibt Gunther immer dort, wo er schon am Anfang ist. Er serviert Kaffee, ärgert sich mit Kellnerinnen herum, und sobald ihm New York den kleinen Finger reicht, gibt er der Stadt eine Maniküre.

Was Gunther noch mehr zum Sinnbild von Friends macht ist James Michael Tyler. Der Schauspieler tauchte beim Casting mit einer verhunzten Frisur auf. Doch da die irgendwie edgy aussah, wurde er genommen. Und unter der Vielzahl der extras machte er sich einen Namen, da er als einziges die Espresso-Maschine bedienen konnte. So entstehen Star-Legenden. Mit einem Schönheitsfehler: Gunther war nie ein Star.

Aber er ist untrennbar mit Friends verbunden. Als Dubai 2006 westlichen Investoren anziehen wollte — wer servierte Kaffee im nachgebauten Central Perk? Gunther. Als zum fünfzehnten Geburtstag der Serie das Cafe in London aufmachte — wer war nicht da? Ross, Rachel, Monica, Chandler, Joey und Phoebe. Aber Gunther. Als die gleiche Aktion zum 20. Geburtstag in New York stattfand: Weder David, noch Jennifer, Courteney, Matthew, Matt oder Lisa konnten es einrichten. Aber James-Schrägstrich-Gunther. Sie sind weitergezogen, er nicht. Er lebt im fiktiven New York. Und ist so die Brücke zwischen den beiden Welten.

(Bis auf die Tatsache, dass er dort lebt, wo Friends gedreht wurde: Los Angeles.)

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