The roof is on fire

Lasst uns eine Party feiern. Ich hab die geilste location gefunden. Es gibt keinen Strom, keine Tische, weder Heizung, noch Klimaanlage. Und wenn wir zu laut sind, verliert einer von uns sein Apartment. Sein New Yorker Apartment! Aber egal — das ist es wert. Rooftop Party!

Dachparties liebt man in Berlin, man liebt sie in Bangladesh, man liebt sie wahrscheinlich auch in Texas. Aber nirgendwo sonst ist das Dach attraktiver als in New York.

Zum einen ist es das Dach eine Gelegenheit, den engen Wänden zu entkommen. Wenn die eigene Wohnung für wenig mehr Platz bietet als für ein Bett, einen Flachbildfernseher und einen Kühlschrank — wo soll man eine Party feiern? Etwa im miefigen Keller eines Pizza Hut? Im Flur?

Zum anderen: Wo hat man einen besseren Ausblick als auf einem Dach in New York? Wenn Dein Fenster nur den Ausblick auf eine trostlose Backsteinmauer oder den Luftauslass eines Bürogebäudes bietet – wo kannst Du die Kulisse New York genießen? Wo gibt es Sonne und ungefilterte Frischluft? Und Romantik dazu? Wo will Ted Mosby zum ersten Mal seine Robin verführen? Wo tanzt Joey Tribbiany mit Mr. Treger? Natürlich auf dem Dach.

Selbst in Brooklyn ist ein Sonnenaufgang auf dem Dach unbezahlbar. By: JimCC BY 2.0

Selbstverständlich ist das Dach kein offizieller Gemeinschaftsraum. Der Fire code verbietet es bestimmt. Und falls nicht, verbietet es der Hauseigentümer. Denn wenn jemand ein Loch in die bewährte Taubenkot-Isolierung tritt, wer soll es bezahlen? Auf das Dach dürfen eigentlich nur Leute, die dort zu arbeiten haben: Die Klimaanlage warten, schimmelnde Wasserreservoirs inspizieren, den Kabelanschluss illegal freischalten.

Da das jedoch ziemlich viele Leute sind und der superintendent kein Dachportier ist, hat irgendjemand die automatische Verriegelung mit einem Rohr blockiert und im Prinzip kann jeder auf das Dach hoch. Warnung: Wer das Rohr entfernt oder sonstwie den Zugang für alle unmöglich macht, verliert mehr Karmapunkte als Donald Trump an einem gewöhnlichen Vormittag.

Cocktailbar statt community space By: sunshinecityCC BY 2.0

Die Begeisterung für das Dach vereint den average joe mit dem Milliardär. Denn auf dem Dach lässt man nicht nur die viel zu eigenen Mauern hinter sich. Der unautorisierte Dachzugang es ist eine Regelverletzung, die den gewitzten New Yorker vom wegsortierbaren Menschenmaterial unterscheidet. Ihr wollt uns einpferchen? Da können wir nur lachen! Das Dach ist zudem ein sozialer Gleichmacher: „Du hast ein penthouse am Central Park? Ich wäre ja so beeindruckt, wenn ich nicht über die Brandschutzleiter in Brooklyn einen noch atmenberaubenderen Ausblick hätte.“

Doch die Penthouse-Eigentümer lassen sich den Spaß nicht mehr verderben – die Dächer von New York werden immer mehr kommerzialisiert. Rooftop bars mit Cocktails zum Preis einer Monatsmiete sind schwer angesagt und monopolisieren den Dachzugang. Und wenn die Wolkenkratzer über 100 Stockwerke hoch sind, steht es nicht mal mehr ein Handtuch voll Dach pro Bewohner zur Verfügung. Da ist es schön, dass es noch einige gibt, die das Dach als Kulturraum pflegen, wie zum Beispiel beim alljährliche rooftop film festival.

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